silana
aws Seedfinancing | 2024 | Deep Tech | Physical Sciences | Wien
silana
silana entwickelt einen weltweit neuartigen, voll automatisierten Nähroboter, der eine regionale Textilproduktion kostenmäßig konkurrenzfähig macht und dadurch Lieferzeiten, CO₂-Emissionen und Überproduktion reduziert.
aws Seedfinancing | 2024 | Deep Tech | Physical Sciences | Wien
Themenfeld:
- Gesellschaftlicher und | oder wirtschaftlicher Wandel
- Umwelt | Ressourcen | Klimaschutz
Die Art, wie Kleidung hergestellt wird, hat sich in den letzten 50 Jahren kaum verändert. Noch immer werden nahezu 100 % aller Kleidungsstücke in Handarbeit produziert. Die Textilindustrie hat Europa weitgehend verlassen und sich in Ländern mit niedrigen Löhnen angesiedelt. Schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Umweltstandards sind eher die Regel als die Ausnahme. Mit dem weltweit ersten voll automatisierten Nähroboter des Wiener Start-ups silana soll Mode künftig wieder regional produziert werden – günstiger als in Asien und unter menschenwürdigen Bedingungen. Das österreichische Deep-Tech-Start-up wurde 2022 von Michael Hofmannrichter (Strategie und Finanzen), Michael Mayr (Kundenkontakt und Textilindustrieexpertise) und Anton Wohlgemuth (Robotik und technische Entwicklung) gegründet. silanas Nähroboter funktioniert als autonomes System: Zugeschnittener Stoff wird in mehreren Lagen in die Roboterzelle eingelegt, durch den Roboter vereinzelt und dann durch die innovative Kombination von Hardware und Software bewegt und genäht – nach wenigen Minuten liegt ein fertiges Kleidungsstück vor. Das System ist modular aufgebaut, lässt sich flexibel in bestehende Fertigungslinien integrieren und ermöglicht erstmals eine Produktion direkt am Point of Sale – etwa in Österreich, den USA oder Deutschland.
Was Automatisierung leisten kann: Der konventionelle „Stand der Technik“ schließt in der Textilindustrie immer noch Handarbeit ein – mit negativen Folgen für Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft: Lange Lieferketten, Überproduktion, Ausbeutung verpassen der Branche ein schlechtes Image. Laut Branchenanalysen werden 30 % aller produzierten Kleidungsstücke nie verkauft, 60 % müssen rabattiert werden; 93 % aller Näherinnen und Näher erhalten keinen existenzsichernden Lohn. silana setzt mit seiner Technologie neue Standards: Der SiBot, so der Name des Nähroboters, kann die Produktion bis zu viermal schneller abwickeln, reduziert Produktionskosten im Nähbereich um bis zu 82 %, verringert die CO₂-Emissionen um 58 bis 68 % und senkt die Fehlerquote um bis zu 90 %. Die Herstellung wird damit nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch ökologisch und sozial verträglich. Durch die unmittelbare Nähe zum Absatzmarkt entfallen lange Transportwege und Lagerkosten, Trendzyklen lassen sich verkürzen. Die automatisierte Produktion senkt die Reaktionszeit von Monaten auf wenige Tage. Die silana-Roboter ermöglichen eine regionale, nachhaltige Produktion – günstiger als in China. Ein spezieller Vorteil: Die Technologie entspricht bereits jetzt den EU-Vorgaben zur Lieferkettentransparenz – egal ob und in welcher Form sie in Kraft gesetzt werden. Während viele Produzenten künftig umdenken müssen, bietet silana eine einsatzbereite Lösung – mit Planbarkeit, Qualität und Skalierbarkeit.
Skalierung mit Verantwortung: Das Marktpotenzial ist enorm: Nach Unternehmensangaben könnten mit rund 200 Maschinen bereits 30 Millionen T-Shirts pro Jahr produziert werden – regional und bedarfsorientiert. Stand Sommer 2025 liegen acht bestätigte Vorverträge vor, unter anderem mit Pilotkunden in den USA. Bis Ende 2025 soll der Roboter erstmals an den Pilotkunden Trigema ausgeliefert werden. In der ersten Phase wird sich silana auf einfache Kleidungsstücke wie T-Shirts konzentrieren. Ab 2026 soll das Produktspektrum erweitert werden – unter anderem auf Poloshirts und ähnliche Erzeugnisse. Parallel dazu laufen die internationale Skalierung und Investorengespräche. Fördermittel der aws ermöglichten nicht nur den Bau des ersten Prototyps, sondern auch die Entwicklung einer fundierten Patentstrategie. Bis heute wurden sechs Patente angemeldet, die sich als essenziell für Investoren herausstellten. silana sieht sich damit als technologischer und ethischer Vorreiter einer Industrie, die in die Märkte zurückgeholt werden soll, in denen die Produkte verkauft werden.
Zitat Michael Mayr, COO: „Die aws Förderungen sind für Start-ups von unschätzbarem Wert. Sie bieten nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch hochwertige Beratung, die besonders in der Anfangsphase eine große Hilfe darstellt. Für silana war das essenziell.“
Tipp: In Österreich haben wir das Glück, eine ausgezeichnete Förderinfrastruktur zu haben, die Gründerinnen und Gründern wertvolle Unterstützung bietet. Sie sollte auf jeden Fall genutzt werden.