Joulzen
aws Seedfinancing | 2025 | Innovative Solutions | Wien
Joulzen
Joulzen verwandelt alte Öltanks in intelligente Wärmespeicher, die überschüssige erneuerbare Energie speichern, Heizkosten senken und ohne baulichen Aufwand zur Energiewende beitragen.
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Themenfeld:
- Umwelt/Ressourcen/Klimaschutz
- gesellschaftlicher und/oder wirtschaftlicher Wandel
- Stadtentwicklung/Leben am Land/Wohnen
Innovation: Joulzen kombiniert modulare Tankumrüstung mit temperaturzonierter Wasserspeicherung und intelligenter Ladeplanung – eine neuartige Komplettlösung für kostengünstige, dezentrale Wärmespeicher im privaten Wohnbau.
Impact: Die Entwicklung des Wiener Start-ups reduziert CO₂-Emissionen, vermeidet Entsorgungsaufwand und macht Haushalte energieautark – ein Beitrag zum Klimaschutz, der alte Infrastruktur in eine tragende Rolle der Energiewende überführt.
Als Florian Schellnast im Keller seiner Schwiegermutter einen 6.000-Liter-Stahltank vorfand, war klar: Die alte Ölheizung war Geschichte, der Tank jedoch blieb – schwer, teuer zu entsorgen und scheinbar nutzlos. Statt ihn abzutransportieren, stellte sich Schellnast eine andere Frage: Könnte man diesen Tank nicht sinnvoll weiterverwenden? Wenige Tage später diskutierte er die Idee mit seinen Mitgründern Sebastian Rigger und Christoph Markler – der Grundstein für Joulzen war gelegt. Gemeinsam entwickelten sie ein System, das alte Öltanks in moderne Wärmespeicher umfunktioniert. Das gelingt durch ein modulares Baukastensystem, das sich flexibel an Größe, Form und Einbausituation bestehender Tanks anpasst. Ein Isolationssystem sorgt für hohe thermische Effizienz, während eine speziell entwickelte Speicherlanze die Temperatur zoniert – für maximale Schichtung und Speicherkapazität. Damit wird aus einer ungenutzten Altlast ein leistungsfähiger Wärmespeicher für den modernen Heizungsbetrieb.
Smartes Upcycling trifft auf Steuerungsintelligenz: Das Speicherprinzip von Joulzen basiert auf Wasser als Wärmespeichermedium. Der umgerüstete Tank wird mit Wasser befüllt, das über das vorhandene Heizsystem oder einem elektrischen Durchlauferhitzer erwärmt wird – bevorzugt dann, wenn Energie aus dem Stromnetz besonders günstig oder überschüssig verfügbar ist, etwa durch eine Photovoltaikanlage. Dank der sogenannten Schichtladung wird die Wärme nicht gleichmäßig verteilt, sondern in Temperaturzonen gespeichert: oben heiß, unten kühl. Das erhöht die Effizienz und stellt sicher, dass jederzeit Wärme auf dem gewünschten Temperaturniveau zur Verfügung steht. Eine intelligente Steuerung analysiert Wetterdaten, Strompreise und Verbrauchsmuster, um den Speicher automatisiert und vorausschauend zu laden. So kann der Haushalt Energie dann nutzen, wenn sie am dringendsten benötigt wird – etwa in den Morgen- oder Abendstunden. Über ein digitales Dashboard lassen sich Energieflüsse und Einsparungen in Echtzeit verfolgen. Mit rund 25 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität ist das System 20-100 Mal günstiger als Batteriesysteme, was die Umrüstung auch ohne Förderungen wirtschaftlich attraktiv macht. Mit einer prognostizierten Lebensdauer von über 25 Jahren bietet die Joulzen-Entwicklung ein überzeugendes Preis-Leistungs-Verhältnis. Gleichzeitig entfallen Entsorgungskosten und zusätzlicher Platzbedarf – ein klarer Vorteil gegenüber herkömmlichen Lösungen.
Wachstum mit System: Die Lösung richtet sich vorerst an Eigenheimbesitzer im DACH-Raum – ein Markt mit über fünf Millionen Ölheizungen, die bis spätestens 2035 stillgelegt werden müssen. Joulzen will diesen Übergang aktiv gestalten. Bis Ende 2025 soll der Serienvertrieb in Österreich starten. Zuvor sind Feldtests mit vergünstigten Pilotanlagen geplant. Parallel dazu wird die Steuerungssoftware weiterentwickelt – mit Blick auf die Integration ins Smart Grid, die Auswertung kollektiver Speicherflüsse und die Kompatibilität mit anderen Wärmespeichern. Darüber hinaus wird die Produktion der Kernkomponenten industrialisiert und auf Skalierbarkeit ausgerichtet. 2026 plant das Start-up den Aufbau eines Partnernetzwerks mit lokalen Installateuren. Langfristig soll ein Speicherpool entstehen, über den Haushalte auch an Netzdienstleistungen partizipieren können – ein Schritt in Richtung eines dezentralen, intelligenten Energiesystems.
Zitat Sebastian Rigger, Geschäftsführer und Gründer: „Mit Joulzen verwandeln wir eine Ressource, die sonst entsorgt würde, in eine Lösung für die Energiewende: kostengünstig, effizient und nachhaltig – drei Werte, die oft als unvereinbar gelten. Die aws Innovative Solutions Förderung hat uns die Möglichkeit gegeben, das Vorhaben in dem jetzigen Maßstab zu verfolgen.“


