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Neue Social-BusinessInitiative: Förderung für Start-ups mit Mehrwert

Sozialministerium und Nationalstiftung fördern Social Entrepreneure mit 3 Mio. Euro - Geschäftsmodelle als Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen

v.l.n.r.: Prof. Dr. Markus Hengstschläger (Stellvertretender Vorsitzender des Rates für Forschung- und Technologieentwicklung), Mag. Edeltraud Stiftinger (Geschäftsführerin der Austria Wirtschaftsservice GmbH), Alois Stöger (Sozialminister), Mag. Günter Thumser (Vize-Präsident der Industriellenvereinigung Wien), Gabriele Gottwald-Nethaniel (Obfrau von garbarage upcycling design), Hannah Lux (GF Vollpension)

Die österreichische Gesellschaft steht vor vielfältigen Herausforderungen: Integration und soziale Inklusion, Arbeitsmarkt, (Aus-)Bildung und Umwelt sind nur einige der derzeit hochaktuellen Themen. Eine unternehmerische Antwort darauf bieten Social Businesses – also Organisationen, die eine positive gesellschaftliche Wirkung als oberstes Ziel haben und gleichzeitig auf die Erwirtschaftung von Markteinkünften ausgerichtet sind.

Die dynamische Entwicklung dieses neuen unternehmerischen Ansatzes am Wirtschaftsstandort Österreich wurde durch eine von der Wirtschaftsuniversität Wien durchgeführten Umfrage unter Expertinnen und Experten belegt: In den nächsten zehn Jahren wird zumindest eine Verdoppelung auf rund 3.200 Organisationen im Bereich der Social Businesses erwartet. Das entspricht einer Wachstumsrate von 7,2 % p. a. mit jährlich 160 neuen Projekten.

Mit dem neuen Programm „aws Social Business Call“ fördern das Sozialministerium, die Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung auf Basis der Empfehlung des Rates für Forschung und Technologieentwicklung und die Förderbank des Bundes – Austria Wirtschaftsservice (aws) nun erstmals vielversprechende Projekte österreichischer Social Entrepreneure. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Unterstützung und Weiterentwicklung von bestehenden Unternehmen und Start-ups, die soziale und ökologische Herausforderungen mit einem unternehmerischen Zugang lösen. Die Förderinitiative umfasst zwei Call-Module mit insgesamt drei Millionen Euro. Der Pilotcall zu „aws Social Business“ startet am 1. September 2016.

Social Business als zusätzlicher Hebel gegen Langzeitarbeitslosigkeit; auch innovative Start-ups werden unterstützt

Eines der wichtigsten Anliegen der österreichischen Bundesregierung sind die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und die Schaffung von neuen Jobs. Dabei braucht die Reintegration von langzeitarbeitslosen Menschen in den Arbeitsmarkt besondere Anstrengungen. Hier bieten Social Businesses, die einen speziellen Fokus auf diese Arbeitsmarktintegration richten, neue Lösungsansätze und zusätzliche Möglichkeiten.

„Es gibt in Österreich eine lange Tradition von sozialem Engagement und eine starke Zivilgesellschaft: Vereine und Sozialunternehmen leisten mit ihren Initiativen einen unverzichtbaren Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt. Mit dem Social Business Call wollen wir auch das große Potenzial für soziale Innovationen durch unternehmerisches Denken nutzen und unterstützen, um aktuelle Herausforderungen am Arbeitsmarkt zu adressieren“, erklärt Sozialminister Alois Stöger. „Mit den Fördermitteln des Sozialministeriums unterstützen wir daher jene Projekte, die innovative und mutige Wege finden, Menschen neue Chancen auf den Einstieg oder Wiedereinstieg ins Erwerbsleben bieten und zur Arbeitsmarktintegration beitragen. Dabei richten wir uns mit dem Call sowohl an bestehende sozioökonomische Unternehmen, die Social Business-Projekte durchführen möchten, als auch an neue Start-ups in diesem Bereich.“

Der Rat für Forschung und Technologieentwicklung hat sich bereits im Mai 2015 in seiner Empfehlung zu Social Business für ein eigenes Förderungsprogramm ausgesprochen: „Wir sehen es als unabdingbar, das Innovationspotential von Social Businesses in Österreich zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen zu heben. Der Wirtschaftsstandort Österreich braucht Dynamik und Innovation. Social Entrepreneure gehen einen neuen Weg und setzen damit dringend notwendige Impulse für die Zukunft“, so Markus Hengstschläger, stellvertretender Vorsitzender des Rates für Forschung und Technologieentwicklung.

Günter Thumser, Vize-Präsident der Industriellenvereinigung Wien und Vorsitzender des IV-Ausschusses Bildungs- und Gesellschaftspolitik, erklärt: „Wenn wir eine positive gesellschaftliche Veränderung in Österreich wollen, dann brauchen wir nicht nur eine unternehmerfreundliche, sondern auch eine sozialunternehmerfreundliche Politik. Social Businesses verbinden das Beste aus zwei Welten: Unternehmerischer Zugang, Innovationskraft und Mut zum Risiko treffen auf den Willen, gesellschaftliche Probleme zu lösen. Dies stärkt die gesellschaftliche Stabilität, die ein wichtiger Standort- und Wettbewerbsfaktor ist. Wir möchten deshalb Sozialunternehmen unterstützen - auch mit unserer neuen Informationsbroschüre „Social Innovation - Social Business - Social Investment.“

Finanzierungsbedingungen als größte Hürde für Social Business

Eine 2015 erstmals von der Wirtschaftsuniversität Wien durchgeführte Studie zum Thema Social Business zeigt, mit welchen entscheidenden Herausforderungen es diese Unternehmen zu tun haben: Demnach liegen das größte Hemmnis und und auch gleichzeitig das höchste Potenzial zur Beschleunigung des Wachstums dieses Sektors in den Bereichen Finanzierung und Bildung. Auch die im Frühjahr 2016 von Joanneum Research durchgeführte Befragung unter 125 Social Businesses kommt zum Ergebnis, dass es dringend verbesserte Finanzierungsmöglichkeiten braucht. Konkret nannten 76 % der Befragten Kapitalverfügbarkeit und Finanzierungsbedingungen als größte Barrieren bei der Gründung und Umsetzung ihres Social Businesses.

Die aws Geschäftsführerin Edeltraud Stiftinger ergänzt: „Social Entrepreneure haben primär im Bereich der Finanzierung Schwierigkeiten. Wir freuen uns daher besonders, dass wir nun im Rahmen des aws Social Business Call vielversprechende Unternehmen fördern können. Mit neuen Projekten können Social Businesses Chancen ergreifen, alternative Geschäftsmodelle umsetzen und den jungen, aufstrebenden Sektor weiter vorantreiben.“

„Indem wir Designprodukte mit Personen mit einem weniger ‚stromlinienförmigen‘ Lebenslauf herstellen, zeigen wir, wie sozialintegrative Arbeit ein eigenständiges Innovationspotenzial entfalten kann“, sagt die Initiatorin und Obfrau von gabarage upcycling desgin, Gabriele Gottwald-Nathaniel und fährt fort: „Gerade in frühen Phasen der Transformation hin zum Social Business ist Unterstützung entscheidend.“ Wie viel Potenzial im österreichischen Social Business-Sektor vorhanden ist, zeigen weitere Vorzeigeprojekte wie etwa das Generationencafé „Vollpension“. "Es gibt viele wirkungsvolle Social Business Initiativen in Österreich mit so viel Potential. Als kleines Social Business Start-Up kann man wirklich jede Form der Unterstützung gebrauchen. Ich freue mich sehr, dass sich hier nun etwas tut!", so Geschäftsführerin des Generationencafés „Vollpension“ Hannah Lux.

Ausschreibung startet mit 01. September 2016

Der „aws Social Business Call“ startet am 01.09.2016 und endet am 01.12.2016. Dabei fördert die aws Social Businesses mit bis zu 100.000 Euro in Form eines nicht rückzahlbaren Zuschusses. Insgesamt umfasst die Förderinitiative drei Millionen Euro, die durch das Sozialministerium und die Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung in zwei Call-Modulen getragen werden.

Im Modul des Sozialministeriums werden Social Businesses unterstützt, die durch innovative Produkte und Dienstleistungen mittelbar und/oder unmittelbar zur Arbeitsmarktintegration von Langzeitbeschäftigungslosen beitragen und Instrumente zur Befähigung, Qualifizierung und (Aus-)Bildung entwickeln. Die Nationalstiftung für Forschung, Technologie und Entwicklung fördert Start-ups, die innovative Produkte und Dienstleistungen in weiteren definierten Bereichen entwickeln und anbieten.

Mehr Informationen zum Call finden Sie auf der Webseite des aws Social Business Call