Preseed

Fragen und Antworten

Die FAQs sind eine unverbindliche Basisinformation und stellen die Förderungsbedingungen vereinfachend dar. Maßgeblich sind der jeweilige Förderungsvertrag, das bei Vertragsabschluss gültige Programmdokument und die bei Vertragsabschluss gültige Richtlinie „Programm zur Förderung von Gründung und Aufbau innovativer Unternehmen“ sowie deren Rechtsgrundlagen.

Was ist die Zielsetzung des Preseed-Programms?
Ziel ist es, jungen, innovativen Hochtechnologieprojekten mit herausragenden Produktideen und skalierbaren Geschäftsmodellen die technisch-wirtschaftliche Vorbereitung, Durchführung und Validierung des „Proof of Concepts“ zu ermöglichen. Da sich die mit Preseed finanzierten Unternehmen üblicherweise im weltweiten Wettbewerb befinden, ist der internationale Markt auch Maßstab für die Bewertung der Innovation. 

Was ist Hochtechnologie im Sinne des Preseed-Programms?
Es gibt keine einheitliche Definition von Hochtechnologie. Das Unternehmen muss in der Lage sein, aufgrund seines internationalen Technologievorsprungs, abgesichert durch Patente, Lizenzen und andere Schutzmöglichkeiten seine Wettbewerbsposition nachhaltig auszubauen und zu sichern. Daher passen z.B. Unternehmen mit bereits bekannter Technologie, die am Markt bereits gut sichtbar ist, nicht mehr in das Preseed Programm.

Wie kann ich eine Preseed-Förderung beantragen?
Die Webseite zur Antragstellung befindet sich auf der Webseite https://foerdermanager.aws.at. Es handelt sich um eine elektronische Einreichung. Bei Bedarf an technischem Support wenden Sie sich bitte an die angegebene Kontaktnummer. 

Wie detailliert muss das Antragsformular ausgefüllt sein?
Sie werden durch die zur Beantragung notwendigen Felder geführt. Detailinformationen z.B. zum Projektplanplan können auch zeitnah nachgereicht werden. Die Informationen im Antragsformular können kurzgehalten werden, die Erstinformationen müssen qualitative Rückschlüsse auf die Technologie, die Differenzierung zum Stand der Technik und den angepeilten Markt enthalten. 
Nach der Erstbegutachtung startet ein iterativer Prozess, im Laufe dessen Detailinformationen nachgeliefert, und die Unterlagen den formalen Anforderungen entsprechend nachbearbeitet werden können. 

Welche Anforderungen an der Projektplan und die Planrechnung gibt es?
Insbesondere müssen die internationale Marktsituation und der internationale Wettbewerb umfassend und möglichst mit Zahlen und Quellen hinterlegt erfasst sein. Ergänzend soll die verwendete Technologie ausführlich dargestellt werden. Die detaillierte Zielspezifikation (Datenblatt, Feature-Liste, ...) im Vergleich zu bestehenden Produkten ist ein wesentlicher Anhaltspunkt für die Einordnung des Projektes. Weiters gilt es klar zu charakterisieren, wie das Unternehmen Geld verdienen möchte (Geschäftsmodell) und wie die Gesamtfinanzierung zusammengestellt sein soll. Des Weiteren sind die Zusammensetzung des Managements und der jeweilige track record der Teammitglieder darzustellen. Auch die IP-Strategie bzw. Status zu FTO, Markenanmeldungen und proprietären Patentanmeldungen sind zu beschreiben. 

Ist die Planrechnung für zwei Jahre ausreichend?
Nein, die Planrechnung soll 4-5 Jahre umfassen. Für die Preseed Phase soll das Planungsdokument „Integrale Planung“ (Downloads) erstellt werden, eine darüberhinausgehende Planung für die nächsten 2-3 Jahre, die die weitere Entwicklung des Unternehmens darstellt ist vorzulegen. Auch wenn die Planungs-Unsicherheiten in der Startup-Phase groß sind, ist eine vier bis fünf-Jahresplanung eine Arbeitshypothese, die im Rahmen der Unternehmensentwicklung laufend geschärft werden soll und muss.

Ich habe bereits ein Unternehmen, kann ich zusätzlich für ein neues Unternehmen noch Preseed beantragen?
Das zu gründende Unternehmen muss eigenständig im Sinne der KMU-Definition der EU sein.

Warum ist der/die Unternehmer/-in oder das Unternehmerteam so bedeutend?
Gründungsunternehmen, besonders jene im Hochtechnologiebereich, tragen neben den hohen Chancen auch ein großes Risiko. Unternehmerischer Erfolg und Scheitern ist in hohem Maß vom Management abhängig. Aus diesem Grund wird bei der Auswahl von Gründungsprojekten ein hohes Gewicht auf ein erfahrenes, engagiertes und risikobereites Gründungsteam gelegt. 
Folgende Mindesterfordernisse gelten: Mindestens ein/e GesellschafterIn, der/die zumindest 25 % der Anteile hält, ist zu 100 % im Unternehmen tätig. Die wesentlichen Know-How-Träger müssen ebenfalls mindestens 25 % der Anteile halten und im Unternehmen operativ tätig sein.

Darf ich schon gegründet haben, um PreSeed zu beantragen?
Da sich die Preseed Förderung an Projekte in der Vorgründungsphase richtet, darf das Unternehmen vor der Antragstellung noch nicht gegründet worden sein.  Einzelunternehmen oder Personengesellschaften (z.B. OG) dürfen schon gegründet worden sein, sie dürfen jedoch keine wesentlichen Umsätze haben. 

Nach welchen österreichischen und EU-Richtlinien ist die Förderung gestaltet?
Förderungen in der Europäischen Union unterliegen umfangreichen rechtlichen Regeln. An diese ist die Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) gebunden. 
Das „Programm zur Förderung von Gründung und Aufbau innovativer Unternehmen“ basiert auf der Richtlinie zur Förderung von Gründung und Aufbau innovativer Unternehmen (Seedfinancing-Richtlinie 2016). Das Programm Preseed basiert auf der Verordnung (EU) Nr. 1407/2013 der Kommission vom 18. Dezember 2013 Ober die Anwendung der Artikel 107 und 108 des Vertrags Ober die Arbeitsweise der Europäischen Union auf De-minimis Beihilfen (ABl. L 352 vom 24. Dezember 2013, S 1-8).

Ist Preseed eine „De-minimis“-Förderung?
Ja. Preseed ist eine „De-minimis“-Förderung dh die De-minimis Grenze von EUR 200.000 innerhalb von 3 Jahren darf nicht überschritten werden.

Warum müssen GründerInnen Eigenmittel in bar in das Unternehmen einbringen?
Die Leitung des Unternehmens (und damit der Einfluss auf die Wertsteigerung) liegt in der Hand der GründerInnen. Hohe Wertsteigerungen von Unternehmen sind möglich und auch wahrscheinlich. Daher ist eine adäquate Risikobeteiligung selbstverständlich.

Kann die Preseed-Förderung als Eigenkapital im Sinne anderer Förderungsaktionen anerkannt werden?
Preseed ist eine öffentliche Förderung. Daher kann dieser Förderungsbetrag nicht als Eigenleistung bzw. komplementäre Eigenmittel-Finanzierung bei anderen Förderungen, die zum Beispiel 50 % der Projektkosten finanzieren, angerechnet werden. Solche Beiträge müssen durch anderes, privates Kapital (Eigenmittel, langfristige Gesellschafterdarlehen, Kredite, Unternehmensgewinne) finanziert werden. Der Nachweis einer ausreichenden Gesamtfinanzierung (unter Einhaltung der jeweiligen Förderintensitäten) ist jedoch unter Einbeziehung von Preseed möglich.

Kann ich eigene Arbeitsleistung bei Preseed als Eigenmittel anrechnen lassen?
Nein, der minimale Eigenbeitrag der GründerInnen in bar wird als zumutbar betrachtet.

Kann ich jene Arbeitszeit, für die ich aus der Preseed-Förderung eine Vergütung beziehe, bei anderen Förderungen als „Eigenanteil“ anrechnen lassen?
Nein, das wäre eine unerlaubte Doppelförderung.

Darf der/die Gründer/-innen eine Vergütung beziehen?
Abhängig vom Ausmaß der in bar eingebrachten Eigenmittel kann eine Vergütung erfolgen. Diese wird vor dem Hintergrund der sparsamen Verwendung der Preseed-Mittel festgelegt. Die Obergrenze für überwiegend öffentlich finanzierte Preseed-Unternehmen ist der Senior-Post-Doc-Satz des FWF (www.fwf.ac.at; Personalkostensätze). Grundsätzlich sollen die Gründer/-innen vorrangig am Wachstum (also an der Wertsteigerung) des Unternehmens interessiert sein.

Warum gibt es ein Bewertungsgremium?
Die Mitglieder des Bewertungsgremiums verfügen über langjährige unternehmerische und/oder wissenschaftliche Erfahrung und gleichzeitig über Kenntnis der Unwägbarkeiten einer Firmengründung im Hochtechnologiebereich. Viele der potentiellen Engstellen entlang des Entwicklungspfades des Unternehmens können von den Mitgliedern des Gremiums erkannt werden. Hinweise oder Auflagen dazu werden im Rahmen der allfälligen Förderungsempfehlung mitgegeben.

Was ist die Förderintensität? 
Als Förderintensität bezeichnet man den Anteil (Barwert) der öffentlichen Hand an (Teil-) Projektkosten. Je nach Förderungsrichtlinie bzw. volkswirtschaftlicher Bedeutung eines Förderungsprogrammes kann die Förderungsintensität von wenigen % bis nahezu 100 % betragen.

Was ist der Barwert?
Der Barwert beschreibt den in Geld ausgedrückten Nutzen einer Förderung unter Berücksichtigung finanzmathematischer Methoden und der Risikobewertung. Ein Zuschuss hat in der Regel 100 % Barwert, ein Darlehen oder eine Garantie hat je nach Rückzahlungsbedingungen einen deutlich niedrigeren Barwert.

Erhält die Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) im Zuge von Preseed Anteile am Unternehmen?
Nein. Zur Sicherstellung der förderungskonformen Mittelverwendung behält sich die Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) jedoch weitgehende Prüfungs- und Einsichtsrechte in das Unternehmens-geschehen vor. Da die Interessenslage von PreSeed der eines Eigenkapitalgebers ähnlich ist, sind wesentliche unternehmerische Entscheidungen und wesentliche Veränderungen z.B. in der Gesellschafterstruktur vorab mit der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) abzustimmen.

Was passiert, wenn neue Gesellschafter in das Unternehmen aufgenommen werden?
Die aws ist vom Eintritt eines neuen Gesellschafters oder Gesellschafterwechsel
nachweislich innerhalb von zwei Wochen in Kenntnis zu setzen. Wenn dies zu einer Änderung
der Beherrschungs- bzw. Kontrollverhältnisse führt („change of control“), ist vorher die schriftliche
Zustimmung der aws einzuholen. 

Was passiert, wenn das Unternehmen verkauft wird?
Bei einer gänzlichen oder mehrheitlichen Unternehmensveräußerung bzw. Exit ohne Zustimmung der aws vor der Endabrechnung der Förderung sowie bis zu 12 Monate danach muss die Förderung zurückbezahlt werden.

Müssen die GründerInnen eine persönliche Haftung abgeben?
Ja. Im Wesentlichen jedoch nur für den Fall, dass das Unternehmen ohne Zustimmung der aws vor der Endabrechnung der Förderung sowie bis zu 12 Monate danach verkauft wird bzw. das Unternehmen in diesem Zeitraum ins Ausland verlagert wird. Für sonstige Haftungsfälle gelten die bestehenden gesetzlichen Regelungen. Grundsätzlich sollen GründerInnen mit geplanten Gesellschaftsanteilen ab 10% dem PreSeed-Vertrag beitreten und damit persönlich haften. 

Kann man im Falle einer Preseed-Förderung auch Teilzeit-UnternehmerIn sein, also auch noch eine andere Tätigkeit ausüben?
Grundsätzlich nicht. In besonderen Fällen, insbesondere wenn sich eine klare, positive Synergie beispielsweise aus akademischer Forschung ergibt, können wesentliche mitarbeitende Gesellschafter dem Unter-nehmen auch nur teilweise zur Verfügung stehen. Der erfolgreiche Aufbau eines Unternehmens erfordert alle verfügbaren Ressourcen, daher sind Nebenbeschäftigungen in der Regel ein Ausschlussgrund für eine PreSeed-Förderung. Keinesfalls ist es möglich, dass alle mitarbeitenden Gesellschafter und Know-How -Träger Teilzeit im Unternehmen tätig sind.

Welche Ausgaben werden NICHT gefördert?
Nicht förderbar sind unter anderem: Ausgaben, die inhaltlich nicht mit einem Technologieprojekt in Zusammenhang stehen (z.B. Lebensmittel, andere Ausgaben mit starkem Bezug zur „persönlichen Lebensführung“), Ausgaben, die bereits für andere Förderungen geltend gemacht wurden; nicht  als Betriebsausgabe im Sinne des Einkommenssteuergesetzes anerkennbare Ausgaben; Ausgaben, die nicht dem Grundsatz der Sparsamkeit und Zweckmäßigkeit entsprechen; Reisekosten, die nicht den Vorgaben der Dienstreiseordnung des Bundes folgen.

Worauf ist bei der Abrechnung zu achten?
Die Abrechnung der Förderung erfolgt auf Basis nachgewiesener Kosten. Hierzu gibt es ein Abrechnungs-formular, welches genau und korrekt ausgefüllt werden muss. Es empfiehlt sich diese Liste vom Projektstart an laufend zu führen. Zu jeder Rechnung muss ein Zahlungsbeleg bzw. ein Nachweis des Mittelflusses (z.B. Kontoauszug) vorhanden sein. Es dürfen nur die förderungsfähigen Kosten abgerechnet werden. Hierzu wenden sich Förderungsnehmer in der Regel an Steuerberater/Wirtschaftstreuhänder zur Unterstützung. 
Weitere Details und wichtige Informationen finden sie im Abrechnungsleitfaden:

Kann man Fahrzeuge anschaffen?
Der Kauf eines Fahrzeuges aus Preseed-Mitteln ist nicht gestattet. Miete oder Leasing sind, soweit sparsam, zweckdienlich und im Rahmen des Geschäftsplans genehmigt, möglich.

Warum gibt es meilensteinbasierte Tranchenauszahlungen?
In der Preseed-Phase besteht eine Vielzahl an Risiken. Durch die gezielte Vereinbarung von Zwischenzielen ist eine sinnvolle Entwicklung und laufende Beurteilung des Gründungsvorhabens möglich.

Muss die Förderung zurückgezahlt werden?
Die Preseed Förderung ist ein nicht rückzahlbarer Zuschuss, bei schwerwiegenden Vertragsverstößen muss die Förderung jedoch mit Zinsen zurückgezahlt werden.

Welche zusätzlichen Finanzierungsmöglichkeiten gibt es?
Hier ist zwischen Eigenkapital, Fremdkapital und anderen Förderungen zu unterscheiden. Hilfe bei der Suche von weiteren Finanzierungen gibt es z. B. bei www. foerderpilot.at

Kann man eine Preseed-Förderung bekommen, wenn man ein international bereits etabliertes Geschäftsmodell bzw. eine etablierte Technologie erstmals nach Österreich/Europa bringt?
Nein, hier ist in der Regel ein Technologievorsprung nicht mehr darstellbar.

Wie lange dauert es, bis man eine Preseed-Förderung bekommen kann?
Der Zeitraum ist mit einer typischen österreichischen Risikokapitalfinanzierung vergleichbar. Ab dem Zeitpunkt des Vorliegens aussagekräftiger Unterlagen ist mit einer Genehmigungszeit von durchschnittlich 3 Monaten zu rechnen, die Verfügbarkeit der Budgetmittel und ein positives Votum des Bewertungsgremiums vorausgesetzt.

Version Jänner 2020